Datenbasis aus 3 Jahren"Kooperatives Mobilitätsmanagement"
Damit kooperatives Mobilitätsmanagement wirken kann, muss es erprobt und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Es braucht fundiertes Wissen und regelmäßigen Austausch, um Maßnahmen zielgerichtet umzusetzen, Akteur*innen zu vernetzen und Projekte aus der Modellphase in die breite Anwendung zu bringen.
Das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) übernimmt wichtige Forschungsaufgaben, auch für ways2work. Es arbeitet mit aktuellen Erkenntnissen der Mobilitätsforschung und stützt sich auf eigene Erhebungen zur arbeitsbezogenen Mobilität. Rund 4.000 Beschäftigte in 71 Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen aus ways2work-Projekten haben an Mobilitätsbefragungen des ILS teilgenommen. Diese Daten sind eine wichtige Grundlage, um Mobilität auf Arbeitswegen besser zu verstehen.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse :
Auto dominiert bislang die Verkehrsmittelnutzung.
Die Verkehrsmittelwahl auf Arbeitswegen zeigt: Das Auto ist nach wie vor das meistgenutzte Verkehrsmittel auf dem Arbeitsweg. Doch nicht allein: Der sogenannte Umweltverbund – also Fahrrad, öffentlicher Verkehr und Zufußgehen – erreicht über ein Drittel aller Wege. Mitfahrgelegenheiten und auch die E-Mobilität spielen bisher nur eine geringe Rolle. Die Ergebnisse passen gut zu aktuellen repräsentative Daten der bundesweiten Befragung „Mobilität in Deutschland (MID)“
Bezogen auf einzelne Projekte von ways2work zeigen sich aber große Unterschiede. So wird in Datteln mit 26 % das Fahrrad mehr als dreimal so häufig genutzt wie in Herne im Ruhrgebiet (7%). Dies weist auch darauf hin, dass es spezifische regionale oder auch lokale Mobilitätskulturen gibt, auf die es ein kooperatives Mobilitätsmanagement abzustimmen gibt.
Radfahren im Trend.
Das Fahrrad spielt für die Förderung nachhaltige betriebliche Mobilität eine besondere Rolle. Und dies nicht nur auf kürzeren Strecken – mit elektrischer Unterstützung lässt sich der Radius beträchtlich ausweiten.
Etwa 2/3 der in die Befragung einbezogenen Unternehmen haben bereits Maßnahmen zur Fahrradförderung ergriffen.
Neben hochwertigen Fahrradabstellanlagen erfreut sich vor allem das Bike-Leasing immer größerer Beliebtheit – zum Zeitpunkt der Befragung hatten es bereits 48 Unternehmen eingeführt oder planten, dies unmittelbar zu tun.
Diese Maßnahme motiviert, weil damit ein gutes Rad oder E-Bike erschwinglich wird. Überraschend Viele − etwa ein Viertel der Befragten – haben bislang keinen oder keinen regelmäßigen Zugang zu Rädern und könnten so möglicherweise „aufgesattelt“ werden. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Projekten. Vor allem im Ruhrgebiet ist der Anteil der Beschäftigten ohne Fahrrad beträchtlich. Dass Radfahren im Trend liegt, zeigen auch die Antworten auf Fragen über die Bereitschaft zum Fahrradfahren. Von den Befragten, die heute noch kein Rad zur Arbeit nutzen, können sich immerhin mehr als ein Drittel vorstellen, in Zukunft (auch) das Rad zu nutzen.
Ein ermutigendes Ergebnis für die Bemühungen im kooperativen Mobilitätsmanagement und natürlich auch für die Gesundheit der Beschäftigten.
Aber es kommt auch auf das Angebot vor Ort an: Viele Beschäftigte wünschen sich von ihrem Betrieb eine Verbesserung der Seviceleistungen für ihre Fahrradnutzung auf dem Weg zur Arbeit.
Entfernung zum Arbeitsort entscheidend.
Die Entfernung vom Wohnort zum Arbeitsplatz beeinflusst die Verkehrsmittelwahl. Je weiter entfernt die Beschäftigten leben, desto häufiger wird das Auto genutzt. Hier gibt es nur wenige Unterschied zwischen den Projekten.
Fast die Hälfte aller Befragten wohnt 10 km oder weniger von der Arbeitsstelle entfernt. Dennoch werden in allen Projekten mehr als 50 % dieser kurzen Wege derzeit mit dem Auto zurückgelegt. Das bedeutet gleichzeitig, dass noch viel Potenzial
für nachhaltiger Mobilität besteht, auf das im Mobilitätsmanagement angesetzt werden kann.
Home Office verringert CO₂-Footprint signifikant.
Der CO₂-Fußabdruck (oft in CO₂-Äquivalenten angegeben, also inkl. aller Treibhausgase) ist eine gängige Kennzahl, um zu zeigen, wie klimaschädlich Mobilität ist. In Unternehmen verursacht arbeitsbezogene Mobilität – also Pendeln + Dienstreisen – im Schnitt 1,9 Tonnen CO₂ pro Beschäftigter Person und Jahr.
Modellrechnungen zeigen: Nicht nur „grünere Verkehrsmittel“ helfen, sondern auch Arbeitsorganisation.
Homeoffice als Hebel: Aktuell arbeiten knapp 39 % der Befragten im Homeoffice, meist nur an einzelnen Tagen. Viele können das nicht (z. B. Produktion, Vor-Ort-Services). In der Rechnung wird deshalb nur bei Tätigkeiten, bei denen es möglich ist, ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro Woche angenommen. Ergebnis: Damit ließen sich schon rund 10 % der Emissionen aus Arbeitswegen vermeiden – trotz begrenzter Reichweite.
Im Übrigen: Dienstreisen betreffen zwar nur etwa 25 % der Befragten, haben aber Wirkung. Allein alle Flug-Dienstreisen zu streichen senkt den CO₂-Fußabdruck in der Modellrechnung nochmals deutlich – zusätzliche ca. 10 % Einsparung.
Busse und Bahnen brauchen eine Angebotsoffensive.
Der ÖPNV gilt als Rückgrat der Mobilitätswende – spielt in der Praxis aber (noch) kaum mit: Nur rund 9 % der Beschäftigten nutzen ihn. Je nach Standort und Anbindung kann das lokal stark schwanken – je nachdem, wie die Lage der Unternehmen und ihre Infrastrukturanbindung gestaltet sind. So werden im direkten Dunstkreis gößerer Städte bis zu 15% erreicht, anderswo nur wenige Prozente.
Der öffentliche Verkehr hat dabei augenscheinlich ein großes Imageproblem. Mithilfe einer verkehrspsychologischen Skala kann gezeigt werden, dass Busse und Bahnen auf Ablehnung stoßen. Dies gilt durchweg für alle Projekte bzw. Gewerbestandorte mit nur geringen Abweichungen. Dies steht ganz im Gegensatz zum Fahrrad: Die Einschätzungen zu diesem Verkehrsmittel weisen zwar Schwankungen zwischen den Projekten auf – bleiben jedoch stets im positiven Bereich.
Heißt: Für viele ist ÖPNV derzeit nicht attraktiv oder nicht praktikabel. Deshalb braucht er in Initiativen für nachhaltige Arbeitswege extra Fokus: Angebote müssen wirklich überzeugen und spürbare Anreize setzen. Deutschlandticket/Jobticket ist dabei eine schnell umsetzbare Maßnahme für Unternehmen.
Die Qualität des Angebots (Takt, Verbindungen, Infrastruktur) liegt aber vor allem bei Kommunen und Verkehrsbetrieben – und genau deshalb ist ÖPNV ein Kernfeld für kooperatives Mobilitätsmanagement, bei dem alle Akteur*innen gemeinsam Lösungen bauen müssen.
E-Mobilität als Baustein für eine nachhaltiger Mobilität auf Arbeitswegen
In der Befragung nutzen rund 15 % zumindest gelegentlich einen E-Pkw für Arbeitswege, knapp 25 % ein E-Bike. Heute dürfte das – Stand zwei Jahre später – eher höher liegen; viele Unternehmen bauen die Infrastruktur gerade aus.
Es zeigt: Elektromobilität kann im nachhaltigen Mobilitätsmanagement eine relevante Rolle spielen – vor allem dort, wo ÖPNV, Rad & Co. (noch) nicht funktionieren oder abgelehnt werden. Zur Maßnahmenpalette für Elektromobilität gehören elektrische Dienstfahrzeuge, die Förderung des Erwerbs von E-Bikes über Dienstradleasing und die Schaffung ausreichender Ladeinfrastruktur. Dann ist E-Mobilität oft der erste realistische Schritt, um Arbeitswege klimaverträglicher zu machen. Besonders wirksam wird das, wenn auch „sauberer“ Strom genutzt wird.
Aber Elektromobilität darf nicht die Strategie sein, sondern Teil der Gesamtstrategie. Also: Antriebe sauberer machen, Fahrzeugnutzung effizienter organisieren (Sharing, Fahrgemeinschaften) – und parallel aktive Mobilität und ÖPNV mit starken Anreizen pushen.
Sie möchten mehr wissen?
Hier finden Sie die Gesamtergebnisse zur Befragung
und die Ansprechpersonen im ILS